Die Primarschule als Schule für alle
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Die Schule steht im Spannungsfeld von Gesellschaft, Kultur, Demokratie, Ökonomie und Ökologie. Die Primarschule hat in diesem Umfeld den Anspruch, eine Schule für alle zu sein. Lehrerinnen und Lehrer haben im Wissen um die Verschiedenheit ihrer Schülerinnen und Schüler die anspruchsvolle Aufgabe, in einer zunehmend pluralistischen und heterogenen Gesellschaft ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag wahrzunehmen. |
Das Zusammenleben lernen

In der Primarschule lernen die Kinder, in der «Lebenswelt Schule» zusammen zu leben. Das setzt voraus, dass die Kinder die Lebens- und Werthaltungen von Kindern, die aus anderen Kulturen kommen, eine andere Sprache sprechen, aus anderen sozialen Verhältnissen stammen, kennen und achten lernen und sich mit ihnen verständigen können. Lehrerinnen und Lehrer unterstützen dies, indem sie das Zusammenleben in der Schule gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern gestalten und diese mitverantwortlich an der Gestaltung des Zusammenlebens beteiligen.
Die Welt und die anderen verstehen und achten

In der Primarschule lernen die Kinder, die Welt aus verschiedenen Perspektiven wahrzunehmen und zu verstehen. Auf der Grundlage dieser verschiedenen Weltzugänge (wissenschaftlich, ästhetisch, ethisch, lebensweltlich usw.) lernen sie, die Welt in ihrem Horizont mitzugestalten und sich mit anderen Menschen zu verständigen. Lehrerinnen und Lehrer unterstützen die Schülerinnen und Schüler auf diesem Weg, indem sie die Welt bewusst mehrperspektivisch erschliessen. Sie setzen Lehr- und Lernformen ein, die dazu beitragen, dass die Kinder eigenständig, kritisch und verantwortungsbewusst denken und handeln lernen und der Welt und den anderen achtsam begegnen.
Lehrerinnen und Lehrer sind engagierte Persönlichkeiten

Primarlehrerinnen und -lehrer sind engagierte Persönlichkeiten mit einer positiven Grundhaltung. Sie sind vielseitig interessiert und nehmen Anteil an der Welt und an den Menschen. Sie verfügen über Einfühlungsvermögen und gestalten ihren Auftrag mit Kreativität und Fantasie. Sie haben Sinn für Humor, bewahren ihre Neugierde und sind begeisterungsfähig. Sie nehmen sich selbst und andere differenziert wahr. Sie begegnen den Kindern mit Wertschätzung und in einer ermutigenden Haltung. Sie schaffen so eine von Vertrauen geprägte Lebens- und Lernkultur als Voraussetzung dafür, dass sich Schülerinnen und Schüler entfalten können.
Lehrerinnen und Lehrer sind Fachleute für das Lernen

Lehrerinnen und Lehrer verstehen, wie Schülerinnen und Schüler lernen und sich entwickeln. Sie sind fähig, Kinder einzeln und in Gruppen in ihren Lernprozessen und in ihrer Entwicklung zu fördern und sie in der Entfaltung ihrer Anlagen und Ausdrucksmöglichkeiten zu unterstützen. Als Voraussetzung dafür kennen sie die wesentlichen Konzepte der Disziplinen und verfügen über pädagogisches und philosophisches Kontextwissen. Auf dieser Grundlage können sie ihren Unterricht differenziert gestalten.
Lehrerinnen und Lehrer gestalten den Unterricht

Unterrichten ist die Kernaufgabe im Berufsfeld von Lehrerinnen und Lehrern. Sie sind in der Lage, ihren Unterricht professionell zu planen, durchzuführen und auszuwerten: Sie schaffen Lernsituationen, in denen die Schülerinnen und Schüler aufgrund ihrer individuellen Voraussetzungen die Möglichkeit haben, die gesetzten Ziele zu erreichen. Die differenzierte Wahrnehmung und individuelle Begleitung und Förderung der Kinder ist Lehrerinnen und Lehrern ein wichtiges Anliegen.
Lehrerinnen und Lehrer gestalten die Schule

Lehrerinnen und Lehrer gestalten die Schule im gesellschaftlichen Kontext als einen Lebens- und Lernraum. Sie tragen dazu bei, im Schulhaus, im Schulteam und in ihren Klassen ein unterstützendes soziales Umfeld zu schaffen, das von Wertschätzung geprägt ist und in dem Lernen möglich ist. Sie verfügen über die Fähigkeit, ihr berufliches Handeln zu reflektieren. Sie arbeiten gerne in Teams. Sie kommunizieren mit den an der Schule Beteiligten (Schülerinnen und Schüler, Klassen, Kollegium, Eltern, Fachpersonen, Behörden, Öffentlichkeit) konstruktiv. Sie sind konfliktfähig und belastbar.
Standardorientierte und praxisbezogene Ausbildung

Die Ausbildung an der PH Zürich orientiert sich an Standards. Standards beschreiben die Anforderungen, die an Lehrerinnen und Lehrer in ihrem beruflichen Handeln gestellt werden. Am Ende des Studiums weisen die Studierenden nach, dass sie die Standards auf einem Niveau erreicht haben, die von einer in den Beruf einsteigenden Lehrperson erwartet wird. In der Ausbildung werden Theorie und Berufspraxis aufeinander bezogen. Wert wird auf situiertes, selbstverantwortliches und kooperatives Lernen gelegt. Auch gesellschaftlich bedeutsame Anliegen wie Sprachförderung, Medienbildung oder Bewegungs- und Gesundheitserziehung sind wichtige Themen der Ausbildung.
Primarlehrerinnen und -lehrer verfügen über eine breite Ausbildung

An der PH Zürich werden Studierende des Studiengangs Primarstufe in sieben von zehn Fächern ausgebildet. Begabungen in verschiedenen Bereichen werden vorausgesetzt. Deutsch, Mensch und Umwelt, Mathematik sowie eine Fremdsprache sind obligatorisch. Zugleich haben die Studierenden die Möglichkeit, ihr individuelles Fachprofil zu wählen und einen eigenen Schwerpunkt zu setzen (z.B. einen musisch-ästhetischen mit Werken, Bildnerisches Gestalten und Musik). In der Weiterbildung können sich die Lehrerinnen und Lehrer die Lehrberechtigung in weiteren Fächern erwerben und so ihr Ausbildungsprofil abrunden.
Primarlehrerinnen und -lehrer sind mehr als Fachlehrer

Mit der Ausbildung in sieben Fächern wird eine Primarlehrperson als Klassenlehrer/in viel Zeit in der Schule mit ihrer eigenen Klasse verbringen. Der Aufbau einer von Vertrauen geprägten Lebens- und Lernkultur ist daher elementar. Entsprechend wird in der Ausbildung auch auf den Erziehungsauftrag der Lehrerinnen und Lehrer Wert gelegt. Kommunikations- und Konfliktfähigkeit sind wesentliche Ziele der Ausbildung. Die individuelle Wahrnehmung der Schülerinnen und Schüler, das Wissen um die Verschiedenheit des kulturellen und sozialen Umfeldes, ist dabei von grosser Bedeutung.